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rhizome.hfbk.net: Die neue Tresen-Kolumne

Mezzo Mix aus Gläsern trinken

Ich glaube nicht an Kultur. Das stimmt eigentlich nicht, aber ich habe beschlossen, diesen Begriff nicht mehr so ernst zu nehmen. Kultur, das bezeichnet all jenes, was Menschen so machen: Kuchen backen, Schwäne töpfern, den Teufel anbeten, Hüte tragen, Kriege führen, Bilder malen, Friedensverträge unterzeichnen, die Umwelt zerstören, die Umwelt schützen, Mezzo Mix aus Gläsern trinken, aus Blättern Geschirr machen, etc. … .

Gerade die Allgemeinheit des Begriffes macht ihn so unbrauchbar. Es ist unmöglich, als Mensch keine Kultur zu produzieren, zu reproduzieren oder an kulturellen Handlungen teilzuhaben. Sie klebt an den Menschen, wie ein Lakritzbonbon an den Brackets einer Zahnspange. Zu einer In-Beschlagnahme dieses Begriffes kommt es vor allem dort, wo die Natur, als Gegensatz bzw. als Antagonist der Menschen, keine Rolle mehr spielt, z.B. in Erfurt, Spoleto oder Atlantic City. Dort wird, bzw. wurde dem Begriff spätestens seit der europäischen Aufklärung eine identitäre Bedeutung übergestülpt, die all jene, und nur diese, Handlungen zusammenfasst, die die Werte und Errungenschaften derjenigen Menschen bezeichnet, die in diesen spezifischen Gemeinschaften verkehren. Diese binäre Einschränkung der Kultur war notwendig, um den nationalen Taumel der post-napoleonischen Zeit zu begründen. Besondere Wirkmacht entfaltete der Trick, die eigenen kulturell-musischen Produkte als sogenannte Hochkultur, also Kunst, Theater etc. definitorisch gegen den Zugriff von Aussen abzusichern. Schon die unterschiedlichen Phasen des römischen Imperiums nutzten dieses sprachliche Tool, um ihre Grenzregime gegen die sogenannten Barbar_innen zu legitimieren - Barbar_innen deshalb, weil diese keine Schwimmbäder bauten, noch Büsten aus Stein formen wollten. Im zeitgenössischen Diskurs werden sich die Sprecher_innen hüten, noch weiter von Barbar_innen zu sprechen, dennoch: Es bleibt die Markierung Anderer, als Vertreter*innen einer irgendwie anderen Kultur, die hier zwar willkommen ist, allerdings nur, solange sie sich folkloristisch als solche zu erkennen gibt und, wie auf einem Tapas-Teller, als nicht-vermischbare Singularität weiter existiert. Es bleibt paternalistisch und kolonial, denn mit Begriffen wie Integration und Toleranz wird klar, wer die Definitionsmacht über Kultur hält: „Wir sind total cool damit, dass ihr nicht wir seid.“ Die Welt ist sicher dankbar. Was also tun, wenn wir nicht die Kultur als Ganzes über Bord werfen können? Ich schlage vor, den Gebrauch nur als allgemeine Familienbezeichnung für menschliches Handeln zu verwenden und nicht als Gradmesser, kontingenter menschlicher Entwicklungen. Für alles andere müssen neue Begriffe gefunden werden.

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Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?