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Die Tresen-Kolumne: Gekonnte Handwerklichkeit

Gekonnte Handwerklichkeit

Letzte Nacht träumte ich, ich wurde feierlich an der Cello-Hochschule akzeptiert. Freudig berichtete ich meinen Eltern, ich könne jetzt das gesamte Familieneinkommen selbstständig und händisch zusammenfiedeln, wie die Grille, nur für Vorräte für den Winter würde ich natürlich trotzdem sorgen. Vielleicht hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Ich habe zwei Paar Schlüssel auf dem Schreibtisch, gieße in der einen Wohnung die Pflanzen, in der anderen füttere ich Katzen, verlege Teppich im Haus meiner Schwester, bringe Regale in den Wohnungen meiner Freunde an, kaufe dem Hund einen Ball und schiebe Überträge vom Giro- auf das Tagesgeldkonto. Neben mir wird eine S-Bahn-Station gebaut. Bald kann ich aus dem Haus, über die Straße und dann zum Helmut-Schmidt-Airport in nur 40 Minuten. Dschingis, der das Café unten im Haus betreibt, spekuliert schon auf die neue Kundschaft, die dann aus den S-Bahn Türen in sein Café strömt. Es ist Aufbauzeit in Altona. Die neue Mitte wächst in die Brache zwischen den Gleisen – notwendige aber gesichtslose Verdichtungen. Das übliche Hamburger Architekturrendering: roter und gelber Klinker, Schmuckteile, Stelen, Säulen, Fahrstuhlschächte aus Sichtbeton, freischwebenden Balkone am Platz der Arbeiterinnen: Sie sitzen auf Armierungseisen, die in großen Löchern des Hauskorpus stecken, in den Löchern Injektionsbeton: Sie sind quasi an das Haus geklebt. Wenn die Sonne scheint und der Zuschlagsand aus den Baugruben über die Felicitas-Kukuck-Straße weht, sieht es dort ein bisschen aus wie in der dritten Hotelreihe hinter dem Strand. Dort wo der Schatten länger wird, dort wo man gut parken kann. Das Meer ist schon nicht mehr zu sehen aber das Frühstück bleibt stabil und das Eis schmilzt nicht mehr so schnell. Zufriedenheit:Ok. Einen Boesner Künstler_innenbedarf gibt es schon. Die Kunst ist in der Mitte angekommen: In der Mitte der Gesellschaft und in der Mitte der Stadt. Da fällt mir das Bild von Thomas Demand ein, welches es eine Weile mal als Texte zur Kunst Edition gab: „unterdrückte wertkonservative Sehnsucht beim neuen wie altem Bürgertum nach gekonnter Handwerklichkeit“. So eine behauptete Mitte ist auch immer mit Vorsicht zu genießen.

https://rhizome.hfbk.net/p/189181


Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Aktuelle Beiträge auf rhizome.hfbk.net

rhizome.hfbk.net ist das soziale Netzwerk der HFBK. Es eröffnet ein digitales Forum für Austausch und Diskussion, in dem Studierende, Lehrende, Gastautor*innen, Kunstkritiker*innen und die interessierte Öffentlichkeit für ein breites Spektrum an Inhalten und Sichtweisen sorgen. Hier finden sich Ausstellungsbesprechungen, eine regelmäßige Kunstpresseschau, literarische Texte sowie Berichte von Vorträgen und Symposien.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?