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Die Tresen-Kolumne: Erdnüsse

Im Traum hatte ich einen Pitch. Das Stadtentwicklungsbüro der Stadt Hamburg hatte bei mir den Entwurf eines neuen Stadtteils bestellt. Ich hetzte ein wenig zu spät durch die Korridore des Großraumbüros, meine Tasche mit dem Entwurf hinter mir herziehend. Außer Atem stand ich dann am langen Verhandlungstisch und öffnete sie. Hinter dem ledernen Latz raschelte und klapperte etwas und heraus zog ich einen Partyteller aus Pappe, der gefüllt war mit gesalzenen Erdnüssen. Geschüttet und dahin geworfen, türmten sich die Nüsse. Nusshaufen, überquellende Füllhörner, vom Ernteberg rollende Äpfel, sie gehören wie der Faltenwurf schwerer Stoffe zum ästhetischen Umami-Repertoir westlicher Bildgeschichte: „Meine Damen* und Herren*,“ begann ich „sehen Sie hier Hamburgs neuen Stadtteil“. Die anwesende Menschensammlung schwieg, bis sich ein älterer Mann* aus der Menge löste und schweigend mit den Fingern ein paar Nüsse aufklaubte und sie sich in den Mund schob. Ich hatte den Maßstab des Modells so gewählt, dass sich daraus keine Rückschlüsse auf seine tatsächliche Ausformung ergab. Die hatte ich mir nämlich noch gar nicht überlegt. Aber da aus der Luft alles aussieht wie eine Sammlung Nüsse und die Menschen Snacks lieben, glauben sie vielleicht deshalb, Gott habe die Welt erschaffen um ihnen eine Freude zu bereiten. Ein Erdnuss-Stadtteil ist wahrscheinlich ein Stadtteil von Angestellten und Handwerker_innen, direkt neben den proletarischen Plattenbauten der Flips und Tuc-Crackergebiete. Ich bin vor der Jury Reaktion aufgewacht, weiß also nicht ob ich den Zuschlag bekommen habe. Den Tag davor besuchte ich das Störtebeker-Haus in der Süderstraße: Ein neo-klassizistischer Steampunk-Klotz, der den neuen und umstrittenen (aufgrund ihrer Vergangenheit als Gestapo-Hauptquartier) Stadthöfen in der Hamburger Innenstadt nicht ganz unähnlich sieht. Etwa zehn Jahre liegen zwischen beiden Gebäuden. Dem Störtebeker-Haus sieht man seine postmoderne Vergangenheit noch in der Materialauswahl und der geschlitzen halbrunden Front an, dort wo Hausbauer und Besitzer Achim Becker, der „Münzkönig der Süderstraße“ durch die stilisierte Weltkugel auf den Schultern der Atlasfigur auf den Industrie- und Großhandelskomplex Hammerbrook schaut. Der Achim Becker, der laut Interview im Hamburger Abendblatt den Hochzeitstag mit seiner Frau „Heldengedenktag“ nennt. Gemein mit den Stadthöfen ist das metallene Dach mit den viel zu großen runden Gauben, Uhren, Bullaugen. Eine Dachkarrikatur zwischen World of Warcraft und Playmobil Gründerzeit-Puppenstube. Hinter den Bullaugen stehen Zwergenerfinder_innen und schauen durch große, gebogene Ferngläser ihren Heißluftballons hinterher, im Keller ein großer Dampfkessel, der das vollautomatisierte Haus antreibt. Vielleicht kam so mein Traum zustande: Wenn so also die Wirklichkeit aussieht, dann ist ein Stadtteil aus Erdnüssen auch kein allzu komischer Vorschlag mehr.

https://rhizome.hfbk.net/p/221138


Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?