de en

stringfigures@rhizome.hfbk.net: Hahahaha

Letzten Donnerstag habe ich zum zweiten Mal in meinem Leben eine Lesung gehabt.

Bisher habe ich in der Schulzeit vorgelesen, wenn ich dran war. Ich habe Freundinnen Liebesbriefe oder SMS vorgelesen. Ich habe bei gemeinsamen Einkäufen mit Leuten mehrfach die Einkaufsliste vorgelesen. Ich habe im Kommunionsunterricht aus der Bibel vorgelesen. Ich habe meinen Eltern bürokratische Schreiben in Gebärdensprache vorgelesen. Ich habe bei der Arbeit mit Kindern hunderte Kinderbücher vorgelesen und lese jetzt meinem Sohn jeden Tag tausende Bücher, Comics, Hefte vor.

*so viele waren es jetzt nicht.

Das ist anders. Bei einer Lesung sitzen, wenn man Glück hat, Leute vor dir, die dir inhaltlich folgen wollen, die wissen wollen, was du da geschrieben hast und was du ihnen nun vorlesen willst. Sie schauen mich freundlich und neugierig an. Ich schaue sie lieber nicht an. Ich habe lange überlegt, was ich ihnen vorlesen möchte. Es ging um Utopien im weitesten Sinne und ich wurde eingeladen, weil jemand meine Texte utopisch findet – utopisch in ihrer Haltung zur Welt und in ihrer Sicht auf Menschen. Das finde ich sehr schön.

Ich war sehr aufgeregt und hatte den ganzen Tag depressive Zustände, meine Haare hingen strähnig herab, ich schlurfte durch die Wohnung, räumte herum, sah mir die Texte an und erledigte ein bisschen Kunst. Nachmittags holte ich mein Kind ab, der wenig mit meiner Situation anfangen konnte. Er rief die ganze Zeit, dass wir jetzt auf dem Bett kämpfen könnten. „Komm jetzt, Mama! Los kämpfen.“ – „Ich weiß gar nicht wie man kämpft.“ – „Doch, komm jetzt.“ – „Och, ich hab jetzt irgendwie nicht so eine Kraft dafür. Was soll ich denn machen?“ fragte ich fantasielos. Ich legte mich dann doch ins Bett und hoffte auf eine Lösung des Dilemmas. Mein Kind freute sich sehr und sprang auf mich drauf. Er rief, er sei Tommy Gurke, ein böser Hund und auch ein „…wie heißen diese Tiere, die immer auf den Berg klettern und auch springen können?“ – „Puma.“ – „Ja, auch ein Mama Puma.“ Ich zuckte zusammen, erschrak und lachte. Ich find die 20 kg auf und mit jedem Angriff von Tommy Gurke kam noch ein bisschen mehr Spaß am kämpfen.

Ich denke dann manchmal darüber nach, was das für eine identitätspolitische Situation ist, dass ich als Kind von einer Person, die man durchaus als Analphabetin diagnostizieren könnte, nun einen Akademikersohn habe.

Gestern sprach ich mit A. Sie sagte es gibt die Goldmanns und es gibt die Schmitts. Wir lachten.

Hahahaha.

Bei der Lesung las ich drei Texte vor - eine Mail von meiner Mutter, einen Text über Privilegien und einen Text über die Dekonstruktion von Sammlungen. Nach der Lesung wurde ich an der Bar gefragt, ob ich wirklich Arbeiterkind sei und ob ich die Mail von meiner Mutter erfunden hätte. Ich lachte.

Hahahaha.

Es sei ja wirklich lustig, dass meine Mutter erst Master, dann Bachelor geschrieben habe sagte noch jemand. Wow, dachte ich und sagte: „Nein, das ist eigentlich nicht lustig.“

Betreff: Kurz
Datum: 28. Oktober 2019 um 13:45:30 MEZ

Danke Fotos ,trotzdem bin unklar,was du dort macht???
Bin wieder vergessen .was hast du Studentin damals ,bin peinlich immer vergessen ,Mist bin immer noch unklar
.heute Gl. Pause Erzählt über Student??
Ob Du hast Master und dann Bearchor erlegtigt stimmt??Aber welche ??
Schöne Nachmittag noch Kuss Mama

https://rhizome.hfbk.net/p/224316


Kunst trotz(t) Corona: Graduate Show 2020

Mit einer zweimonatigen Verspätung findet die Graduate Show – ehemals Absolventenausstellung – in diesem Jahr am 19. und 20. September statt. Mehr als 140 Studierende zeigen ihre künstlerischen Abschlussarbeiten. Von 10 - 20 Uhr sind Besucher*innen herzlich eingeladen, sich in der HFBK die zahlreichen Arbeiten anzusehen. Für Ihre Gesundheit an diesem Wochenende sorgt ein extra entwickeltes Corona-Konzept. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Aktuelle Beiträge auf rhizome.hfbk.net

rhizome.hfbk.net ist das soziale Netzwerk der HFBK. Es eröffnet ein digitales Forum für Austausch und Diskussion, in dem Studierende, Lehrende, Gastautor*innen, Kunstkritiker*innen und die interessierte Öffentlichkeit für ein breites Spektrum an Inhalten und Sichtweisen sorgen. Hier finden sich Ausstellungsbesprechungen, eine regelmäßige Kunstpresseschau, literarische Texte sowie Berichte von Vorträgen und Symposien.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.