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3 Notizen zu: Franziska Nast, Tropic Touch, Kunstverein Jesteburg

1 Dschungelfieber im Kunstverein Jesteburg: Yucca-Palmen und Bonsais, Bogenhanf und riesige Farne stehen da in der Mitte des Ausstellungsraumes zusammen; es ist ein Miniatur-Urwald in Ton- und Plastiktöpfen, den die Künstlerin Franziska Nast da für ihre Ausstellung "Tropic Touch" zusammengetragen hat - Zimmerpflanzen aus Nachbarschaft des Kunstvereins, die Nast hier zusammen mit anderen Fundstücken aus dem Ort zu einem ungewöhnlichen Bild von Jesteburg kombiniert.

2 Gleichzeitig scheint Nast mit ihrer Installation aber auch auf einen Trend zu reagieren, der nicht nur den Hamburger Speckgürtel sondern vor allem die urbanen Zentren erfasst hat. Denn die wuchernde Zimmerpflanze - je exotischer, desto besser - gilt als das ultimative Statussymbol der Millenial-Generation. "Millenials love plants", schreibt etwa der Business Insider erst im April 2019 über die Generation der Mittzwanziger: "While Millenials have been said to be wiping out numerous industries, they're giving the plant industry life. The trend ties into their decision to delay parenthood and their affinity for wellness."

3 Wellness ist es also, was man sich von Bogenhanf, Monstera und Co erwartet, Urlaubsgefühle, Südsee-Flair, Exotik - klassisch koloniale Denkweisen, könnte man sagen, egal ob in Jesteburg oder in der Sternschanze. Man könnte es aber in Hinblick auf den Business Insider und die Millenials auch so formulieren: Wenn man sich in prekären Arbeitsverhältnissen in der Kreativindustrie keine Fernreise, keinen Garten und keine Kinder leisten kann - dann muss es eben das kleine Glück im Tontopf sein.

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